Henryk Samsonowicz
Die für die Slawen “leichten und verständlichen” christlichen Inhalte in den ersten Jahren nach der Konversion
Der Autor schlägt ein eingehenderes Verständnis religiöser Überzeugungen der heidnischen Slawen durch Erörterung dieser Formen des christlichen Glaubens vor, die bei der Adaption der durch den neuen Glauben eingeführten Normen relativ leicht angenommen wurden. Eine alltagskulturelle Kategorie, die vor und nach der Taufe ähnlich verstanden wurde, war die Zeit, genauer genommen ihre Einteilung und Maßeinheiten. Die wichtigste Einheit war die durch den Mondkalender bestimmte Woche, welchen man bei der Festsetzung der Markt- und Gerichtstage sowie der Termine von Stammestreffen gebrauchte. Die heidnische Zeitvorstellung setzte eine feste Ordnung, die Wiederholbarkeit der Naturphänomene und der mit ihnen verbundenen Tätigkeiten voraus. Dadurch konnten sich die Neophyten besser auf christliche Feiertage vorbereiten. Größere Probleme waren mit der Aneignung der kulturellen Kategorie des Raumes verbunden. Bemerkenswert aber wiesen die “Christianisierung” vieler Kultstätten und die Funktionalisierung “heiliger Stätten” auf die Bedürfnisse der neuen Religion hin.
Gewiss hatte man schon in den heidnischen Zeiten die Überzeugung, dass der Tod kein Ende des menschlichen Daseins bedeutet. Sie und der Glaube an das Fortleben nach dem Tode bereiteten den Weg der christlichen Variante des ewigen Lebens. Relativ einfach war auch die Annahme durch die Heiden der Existenz zweier Daseinsformen – einer guten (Engel) und einer bösen (Dämonen). Vielleicht gab es im alten volkstümlichen Imaginarium auch “höhere Gottheiten”, die durch Heilige ersetzt wurden, welche für Wetter, Fruchtbarkeit und Kriegsglück zuständig waren. Dadurch dass die Slawen einen durch zahlreiche schriftliche Urkunden bestätigten “Gott der Götter” hatten, konnten sie den Glauben an den Weltschöpfer leichter annehmen.

Gerard Labuda
Zum Umfang angeblicher Hoheitsrechte des Deutschen Reichs und der Mark Brandenburg über das ganze Pommern im Frühmittelalter
Der Beitrag bringt die Fortsetzung der Diskussion mit den Ansichten von Edward Rymar, der die Behauptung verteidigt, dass die mittelalterlichen Hoheitsrechte des Deutschen Reichs (und später – auf Grund der Verleihung durch Kaiser – der Mark Brandenburg) über Pommern noch der karolingischen Herkunft sind. Der Autor des Beitrags polemisiert mit dieser These, analysiert zum wiederholten Male herangezogene Quellen und widerlegt die Argumente von Rymar. Labuda beweist, dass Einhards Behauptung (Vita Karoli, c. 15), Karl der Große habe alle Völker bis zur Wechsel-Linie unterworfen, nicht wörtlich zu nehmen ist. Das von Thietmar erwähnte Territorium usque in Vurta fluvium, aus dem Mieszko I. dem Kaiser Otto I. einen Tribut zahlte, kann mit Pommern nicht gleichgesetzt werden. Es gibt keinen Grund – so Labuda – zur Annahme, dass Pommern im Regest Dagome iudex (990) als ein Territorium betrachtet wurde, welches aus dem Staat von Mieszko I. ausgeschlossen war. Den Gegenstand des deutsch-polnischen Konflikts zu Beginn des 12. Jahrhunderts stellte also nicht der Tribut aus Pommern dar. Die Information über den Huldigungseid, den Boleslaw der Schiefmund 1135 Kaiser Lothar III. aus Pommern und Rügen ablegte und über den dem Kaiser gezahlten Tribut, welche die Chronik Ottos von Freising mitbringt, ist zweifelsohne durch die Eroberung 1123 der Gebiete hinter der Oder von dem polnischen Herzog erklärbar (die Erwähnung von Rügen geht wohl auf ein Missverständnis zurück). Man kann also keineswegs von der Kontinuität der Hoheitsrechte seit den karolingischen Zeiten sprechen. Das ist umso weniger möglich, als die deutschen Könige aus der sächsischen Dynastie ihre Verhältnisse mit den Slawen im 10. Jh. auf ganz neuer Grundlage aufbauten. Das Tributverhältnis zwischen Polen und Deutschland wurde um 965/966 angeknüpft. Mieszko I. zahlte einen Tribut wohl nur aus dem Land Lebus. Erst unter der Herrschaft von Kasimir dem Erneuerer (1040-1058) wurde der Tribut auf den ganzen Staat ausgedehnt. Er resultierte jedoch aus dem polnisch-deutschen Gesamtverhältnis und war keineswegs mit Pommern verbunden.

Jerzy Strzelczyk
Trobairitz – am Ursprung der europäischen lyrischen Dichtung
In der Liebeslyrik, die in manchen Gegenden Europas Ende des 11. Jh. auftauchte und bin-nen zweier Jahrhunderte – nach vielen Jahrhunderten der Nichtexistenz bzw. Vergessenheit – zur hohen Blüte gelangte, gebührt die Spitzenposition der südfranzösischen (“provenzalischen” bzw. okzitanischen) Dichtung. Im ersten Teil des Beitrags wurden einige Begriffs- und Periodisierungsprobleme dargestellt. Dann geht der Autor zum Hauptthema über, d.h. zur zahlenmäßig bescheidenen (etwa 2% der erhalten gebliebenen Troubadourdichtung), aber historisch, künstlerisch und ideell bedeutenden Anteilnahme der Frauen (Trobairitz). Kurz dargestellt wurden ähnliche (wenngleich quellenmäßig schlechter nachgewiesene) Formen literarischer Tätigkeit der Frauen in anderen Territorien (in der Pyrenäenhalbinsel und im “eigentlichen” [Nord-]Frankreich). Anschließend wurden (hauptsächlich auf Grund des fundamentalen Repertoriums von Angelica Rieger aus dem Jahre 1991) einzelne Sparten der Trobairitz-Lyrik überblickt. Ein bisschen näher wurde das Schaffen zweier bedeutendster Vertreterinnen dieser Dichtung: der Comtessa de Dia und Castelloza behandelt. Der Autor lenkt seine Aufmerksamkeit nicht nur auf den künstlerischen Wert ihrer Werke, sondern auch auf ihre ideelle Aussage und auf Unterschiede zwischen beiden Dichterinnen. Im abschließenden Teil des Beitrags ist über einige Aspekte und Wege der neuzeitlichen Rezeption von okzitanischen Trobairitz die Rede.

Janusz Szyszka
Die Burg in Rozprza und die älteste Eigentumsstruktur in der Gegend von Rozprza
Der heutige Wissensstand über die ritterlichen Besitztümer in Polen ist weiterhin unzu-reichend. Vielversprechend scheinen in diesem Zusammenhang die auf Siedlungs- und Eigentumsverhältnisse konzentrierten Analysen kleinerer Regionen zu sein. Der Beitrag stellt den Versuch dar, eine Analyse der Eigentumsverhältnisse in der Gegend von Rozprza in Mittelpolen zu liefern. In dieser Ortschaft existierte seit Ende des 9. bis zur Mitte des 14. Jh. eine Burg, die im 13. Jh. in Folge der Veränderungen in der Verwaltungsstruktur Polens an Bedeutung verlor. Das lokale Zentrum wurde zwar in das nahegelegene Petrikau verlegt, doch – trotz des Verfalls der Burg – ist nach dem deutschen Recht gegründete Stadt Rozprza geblieben. Das Gebiet um Rozprza bildete einen Territorialverband (opole), dessen Grenzen zum Teil in den Urkunden beschrieben wurden, zum Teil unter Berücksichtigung der Naturbedingungen rekonstruiert werden können. Auf dem so bezeichneten Territorium wurde die Analyse der Eigentumsstruktur durchgeführt. Das Ziel des Studiums bestand in der Darstellung eines möglichst frühesten Standes der Eigentumsverhältnisse auf dem Gebiet von Rozprza. Dieses Ziel wurde erreicht in Bezug auf die Verhältnisse in der zweiten Hälfte des 12. und am Anfang des 13. Jh. Der Ort Rozprza und seine nächste Umgebung sowie der nördliche Teil des Territoriums gehörten damals zu dem Herzog. Bereits in der zweiten Hälfte des 12. Jh. begann der Herzog seine Güter und letztendlich auch Rozprza selbst (als diese Ortschaft als Verwaltungszentrum an Bedeutung verlor) zu veräußern. Das Zentrum der herzoglichen Besitzungen wurde nach Norden in die Stadt Petrikau verlegt. Dort begannen die Herzöge schon zu Beginn des 13. Jh. mit dem Aufbau eines Gutskomplexes, der den nördlichen Teil des Territorialverbandes von Rozprza einnahm. Auf diesem Territorium waren auch ritterliche Güter ein bedeutender Faktor. Es war besonders dicht besiedelt von dem Geschlecht der Jeliten, deren Güter im südöstlichen, südlichen und nordöstlichen Teil des Territorialverbandes gelegen waren. Die Mitglieder dieses Geschlechts besaßen auf diesem Gebiet kleine ritterliche Burgen (Majkowice und Mierzyn). Charakteristisch war für ritterliche Güter ihre Lage am Rande dieses Siedlungsgebietes. Vielleicht geht das auf die bewusste Siedlungspolitik der Herrschenden zurück, die zur Kolonisation der weitentlegenen unbesiedelten Gebiete führen sollte. Die Form des ritterlichen Besitzes entwickelte sich auch im Zentrum des Territoriums von Rozprza, nachdem die Herrscher die Entscheidung getroffen hatten, ihren Besitz in der Nähe von Petrikau zu lokalisieren. Rozprza wurde zwischen Mitte des 13. und Mitte des 14. Jh. Besitz des Geschlechts Jelita, welches für die weitere Entwicklung der Stadt sorgte. Ihren Bemühungen verdankt sie die Ausstattung einer Vogtei. Eine gewisse Geltung hatten auf diesem Territorium auch die ritterlichen Geschlechter von Jastrzêbiec, Janina, Pó³kozic und Poraj.

Zbigniew Dalewski
Herzog und Bischof. Der Streit Boles³aws II. (Rogatka) mit dem Breslauer Bischof Thomas I.
Im Oktober 1256 hatte der Herzog von Liegnitz Boles³aw II. gen. Rogatka den Breslauer Bi-schof Thomas I. entführt. Dieser Gewaltakt war der Höhepunkt des seit einigen Jahren andauernden Konflikts zwischen dem Herzog und dem Bischof um den Umfang kirchlicher Freiheiten. Der gefesselte und in Kerker geworfene Bischof wurde erst nach der Einzahlung des Lösegeldes und der Auslieferung dem Herzog einiger Dokumente, wahrscheinlich mit seinem Verzicht auf alle früher erworbenen Privilegien, befreit. Boles³aw, der wegen der genannten Gewalttat exkommuniziert wurde und sich mit den jüngeren Brüdern zerstritt, wurde bald gezwungen, einen Ausgleich mit Thomas zu suchen. Die entsprechende Vereinbarung wurde am 2. Dezember 1258 unterzeichnet. Boleslaw verpflichtete sich im Rahmen der Wiedergutmachung, den Weg von Goldberg (Z³otyryja) nach Breslau mit einem Gefolge von hundert Rittern und Schildträgern barfuß und in einem Hemd zurückzulegen, um vor dem Breslauer Dom Bischof Thomas um seine Vergebung zu bitten. Der öffentliche Akt der Demütigung zwecks Beendigung des Konflikts zwischen dem Herzog und dem Bischof wurde wohl von den vermittelnden Franziskanern, insbesondere dem berühmten Prediger Berthold von Regensburg, arrangiert. Denn ähnlichen Zeremonien begegnen wir relativ oft im Falle der Konflikte im Reich und in Nordfrankreich, an denen Bischöfe beteiligt waren. In der politischen Wirklichkeit Polens des 13. Jh. aber wurden Konflikte zwischen den Herzögen aus der Piasten-Dynastie mit Bischöfen, welche dabei oft entführt wurden, nie mit der Demütigung des Herzogs vor dem Bischof beendet. Bischöfe, die Opfer der Gewalttaten seitens der Herzöge waren, ließen sich mit materieller Wiedergutmachung und neuen Privilegien bezüglich kirchlicher Freiheiten begnügen. Bischof Thomas ließ das Zeremoniell der Demütigung wohl wegen der besonderen Umstände seiner Entführung gelten. Denn Boles³aw ließ ihn nicht nur entführen und einsperren. Er demütigte den Bischof auch öffentlich, indem er ihn, gekleidet nur in einen entehrenden Mantel, von einem Ort zu anderem führen ließ. Zum Ausgleich mit dem öffentlich gedemütigten Bischof war also auch eine öffentliche Demütigung des Herzogs nötig. Der entwürdigte Bischof soll seine Ehre um den Preis der Brandmarkung und des Prestigeverlusts von Herzog Boles³aw wiedererlangen. Kein Wunder also, dass der Herzog die Bedingungen des Ausgleiches nicht erfüllt hat. Der Preis war für ihn offensichtlich zu hoch. Thomas musste letzten Endes auf seine Forderungen verzichten und eine neue Vereinbarung schließen, in der von einer öffentlichen Demütigung des Herzogs keine Rede mehr war. In der Situation, in der der Herzog ständig dem Bischof bezüglich kirchlicher Freiheiten nachgeben musste, blieb das Ritual öffentlicher Demütigung die einzige Waffe, mit der er sein Prestige als Herrscher verteidigen konnte.

Marcin R. Pauk
Nobiles Bohemie – ministeriales Austrie. Wechselbeziehungen des böhmischen und österreichischen Hochadels unter der Herrschaft von Pøemysl Ottokar II.
Der Autor behandelt die Wechselbeziehungen der böhmischen und österreichischen Elite unter der Herrschaft des Königs Pøemysl Ottokar II. (1251/1253 – 1276/1278) aus der Perspektive möglicher Integration der beiden Teile des Herrschaftsgebietes von Pøemysliden. Die durch den Hof arrangierten Ehen zwischen den Mitgliedern großadliger Familien konnten die Erreichung dieses Ziels wesentlich erleichtern. Trotz relativ vieler Mischehen (meistens heirateten böhmische Herren die Österreicherinnen) kann eine aktive Rolle des königlichen Hofes bei ihrer Arrangierung nicht nachgewiesen werden. Die meisten Beziehungen sind in der Nachbarschaft entstanden, zwischen den Familien, deren Landgüter im Grenzgebiet gelegen waren (ver-schiedene Linien der Wittigonen, die Herren von Budweis und Obøany). Nur im Falle zweier früher in der Literatur nicht bekannter Verwandtschaftsverhältnisse (zwischen den Benešovice aus Cvílín und der Familie Himberg und zwischen der Familie von Wartenberg und den Herren von Maissau) können wir die Kontakte zwischen ihnen auf dem königlichen Hof von Pøemysl Ottokar II. voraussetzen, wobei für die vermittelnde Rolle des Herrschers keine Beweise vorliegen. Negative Schlussfolgerungen ergeben sich auch aus der Analyse der Häufigkeit, mit welcher die österreichischen Herren den Prager Hof besuchten. Entweder ließen sie sich dort eher selten sehen, oder blieben nach ihren Aufenthalten nur wenige Spuren in schriftlichen Quellen. Auch eine aktive integrierende Politik des Königs bei der Vergabe der Landgüter ist nicht nachweisbar, obgleich zu betonen ist, dass er seinen nahen Mitarbeitern (Vok von Rosenberg und Boèek von Jaroslavice) strategisch bedeutende niederösterreichische Herrschaften von Raabs und Pernegg verlieh, welche an der böhmischen Grenze liegen. Da Beweise diesbezüglicher Aktivität von Pøemysl Ottokar II. fehlen, sind wir weiterhin nicht sicher, wie er sich die weitere Herrschaft seiner Dynastie in den Donauländern vorstellte. Sein Verhalten bleibt in deutlicher Opposition zur Vorsorglichkeit des nächsten Herrschers von Österreich, Rudolf von Habsburg.

Tomasz Gidaszewski
Das Rätsel des Breslauer Palatins Peter von Krakau (1283)
In der Zeugenreihe der Urkunde Heinrichs IV. von Breslau aus dem Jahre 1283 steht auch Petrus de Cracouia palatinus Wratizlauiensis. Außerdem gibt es in den schlesischen Urkunden keinen Breslauer Palatin de Cracouia. Der Autor des Beitrags lehnt die Ableitung der Herkunft Peters aus einer ähnlich heißenden Ortschaft in Böhmen oder Deutschland ab. Er beweist dagegen, dass der Breslauer Palatin Peter und der Woiwode von Krakau, Peter Sohn Adalberts (1280), der oft mit Peter Bogoria, dem Vater des Erzbischofs Jaros³aw Bogoria identifiziert wird, eine und dieselbe Person waren. Der Verfasser behauptet, dass Peter Kleinpolen 1282 nach einer Rebellion gegen Herzog Leszek den Schwarzen verließ und in der Umgebung von Heinrich IV. wieder auftauchte. Seine Anwesenheit an der Seite des Herzogs ist ein interessantes Beispiel für die Einmischung Heinrichs in innere Angelegenheiten Kleinpolens.

B³a¿ej Œliwiñski
Einige Bemerkungen zur Autorschaft der Olivaer Chronik und zu dem Abt Stanislaus
Der Artikel ist ein Beitrag zur Diskussion über die Autorschaft der Chronik aus Oliva (Mitte des 14. Jh.), die in dem seit 1186 existierenden Zisterzienserkloster in Oliva bei Danzig niedergeschrieben wurde. Theodor Hirsch nannte im 19. Jh. als ihren Verfasser Abt Gerhard von Brusswalde. Max Perlbach dagegen hielt für den Autor der Chronik einen anonymen Klosterschreiber. Seit Wojciech Kêtrzyñski wird allgemein behauptet, dass der Chronist Abt Stanislaus war (er lebte, laut Quellenangaben, 1330-1350). Einen Beweis für diese These liefern die in der Chronik vorhandenen Spuren polnischer Sprachkenntnisse des Verfassers. Man machte auch darauf aufmerksam, dass der Abt, der in der Entstehungszeit der Chronik amtierte, im Text nie beim Namen erwähnt wurde. Dieser Umstand wird als ein Ausdruck der Bescheidenheit des Chronisten interpretiert. Der Beitrag bringt neue Argumente für die Autorschaft des Abtes Stanislaus. Im Bericht über einen Vermögenshandel von 1323 erwähnt der Chronist (im Kap. 23) den gegenwärtigen Kellermeister des Klosters, der als einziger nicht beim Namen genannt wurde. Dieses Amt hatte damals bekanntlich Mönch Stanislaus inne. Er und der spätere Abt und Chronist sind höchstwahrscheinlich eine und dieselbe Person. Dieser Mönch wurde auch in der Urkunde von 1321 erwähnt. Der Vorname Stanislaus suggeriert die Herkunft aus einer pommerschen Ritterfamilie; der künftige Chronist ist wohl Ende des 13. Jh. zur Welt gekommen. Sein kritisches Urteil über die Unzuverlässigkeit der Polen im Kapitel 43 kann man als Ausdruck der Meinung betrachten, die im ritterlichen Milieu in Pommerellen vorherrschte. Dieses Urteil geht wohl auf die Enttäuschung zurück, die das Verhalten des Herzogs W³adys³aw £okietek (Ellenlang) angesichts der Ereignisse von 1308-1309 und die Auslieferung der Bevölkerung in Pommerellen der Aggression von den Brandenburgern und dem Deutschen Ordensrittern verursachten.

S³awomir JóŸwiak, Adam Szweda
Vor dem “großen Krieg“. Die diplomatische Auseinandersetzung zwischen Polen und dem Deutschen Orden im Juni-Juli 1409
Die Problematik des polnisch-litauisch-ordensritterlichen Krieges in den Jahren 1409-1411, der in der Geschichtsschreibung als “groß“ bezeichnet wird, erweckt seit mehreren Jahrzehnten das Interesse zahlreicher Forscher. Trotz einer umfangreichen Literatur zu den einzelnen Aspekten des “großen Krieges“ wurden viele Detailfragen kaum erklärt. Unter ihnen befinden sich die im Beitrag untersuchten diplomatischen Verhandlungen zwischen Polen und Deutschem Orden, die im Vorfeld des Konflikts intensiv geführt wurden. Sie wurden bis heute durch die Forscher oberflächlich behandelt, mit einer deutlich sichtbaren Vorliebe für die Chronik von Jan D³ugosz. Doch erst Analyse aller überlieferten Quellen (Korrespondenz, verschiedene Versionen des sog. “Ordensbericht“ von 1409 sowie polnische und litauische Klagen, die im Westen verbreitet wurden) lassen ein mehr wahrscheinliches Bild dargestellter Begebenheiten entstehen, insbesondere bezüglich des Verhaltens und der Pläne des Polenkönigs W³adys³aw Jagie³³o.
Die zentrale Bedeutung für die Sachlage hatte zweifelsohne der Ende Mai 1409 ausgebrochene Aufstand in Samogitien, welches seit einigen Jahren unter der Herrschaft des Deutschen Ordens blieb. Die Ordensführung machte ihre Vorgehensweise von der Antwort auf zwei Fragen abhängig. Wichtig war, die Rolle des Großfürsten von Litauen Witold (Vytautas) in den Vorfällen in Samogitien und die Frage, ob der Konflikt eine innere Angelegenheit bleibt oder ob sich Polen einmischen würde. Gespräche mit der polnischen Gesandtschaft unter der Leitung von Tomek aus Wêgleszyn und Miko³aj aus Micha³owo, die am 9.-10. Juni 1409 in Elbing durchgeführt wurden, haben den Sachverhalt nicht geklärt. Die polnischen Gesandten stellten dem Hochmeister Ulrich von Jungingen 19 Streitfragen von verschiedener Wichtigkeit dar, auf deren Lösung die polnische Seite insistierte. Ihre Analyse lässt feststellen, dass Jagiello in Wirklichkeit die polnisch-ordensritteliche Auseinandersetzung dynamisieren wollte und dass die Situation in Samogitien hier ein bedeutender Bestimmungsfaktor war. Kurz nachdem die polnische Gesandtschaft Elbing verlassen hatte, schickten die Ordensritter ihre Gesandtschaft an den Polenkönig. Gleichzeitig, am 15. Juni 1409 überreichte Hochmeister Ulrich von Jungingen dem Komtur von Thorn, der an der Spitze der Gesandtschaft stand, neueste Informationen (mit Beweisen) über das Engagement des Großfürsten Witold an dem Aufstand in Samogitien mit der Bitte, man wolle die Lage nicht zuspitzen lassen, bis der Orden einen vollkommenen Überblick über die Sachlage nicht habe. Die Gesandten beschwerten sich bei dem Polenkönig wegen der Gewalttaten, die die Aufständischen in Samogitien an den ordensritterlichen Untertanen, Geistlichen und Beamten verübten und baten Jagie³³o eindringlich, er möge die Unterstützung der Rebellen unterlassen. Ihre Mission ist gescheitert, weil W³adys³aw Jagie³³o seine Antwort auf den 17. Juli hinausschob, an dem in £êczyca eine Tagung zusammengerufen wurde. Von hier aus wurde nach Marienburg eine polnische Gesandtschaft unter Führung des Erzbischofs von Gnesen Miko³aj Kurowski (mit dem Woiwoden von Kalisch Maciej aus W¹sosz und dem Burggrafen von Nakel Wincenty aus Granowo) geschickt. In der Hauptstadt des Ordensstaates ist sie erst am 1. August 1409 eingetroffen. Der Hochmeister wartete nur auf die Antwort des Polenkönigs, ob er Witold in Samogitien unterstützen würde. Die polnischen Gesandten dagegen setzten ihre Hinhaltetaktik fort, die schon vor der Tagung in £êczyca offensichtlich war: sie gaben Ulrich von Jungingen weder eine verbindliche Antwort auf die Frage des Ordens, die er dem Polenkönig schon Mitte Juni 1409 gestellt hatte, noch eine Garantie der störungsfreien Versorgung der ordensritterlichen Schlösser in Samogitien. Ulrich von Jungingen verlor die Geduld und – bestätigt in seiner Überzeugung von der feindlichen Haltung des Polenkönigs – ließ den Krieg erklären. Methodisches Vorgehen Jagie³³os in den Kontakten mit dem Deutschen Orden zwischen Juni und August 1409, welches darin bestand, Spannung in den politischen Kontakten wachsen zu lassen, erzielte wohl nicht nur einen entsprechenden Effekt in der öffentlichen Meinung im Ausland. Dem Polenkönig ging es auch um die Beeinflussung der innerpolitischen Meinungsbildung. Die Untertanen sollten den Deutschen Orden für den Ausbruch des Krieges schuldig machen. Wenn das wirklich das Ziel des Königs Jagie³³o war, konnte er es vollkommen realisieren.

Pawe³ Stró¿yk
Die Siegel des Gnesener Domkapitels mit der Darstellung des hl. Adalbert
In dem Beitrag wurden sechs bekannte Typen des Siegels vom Gnesener Domkapitel mit der Darstellung des hl. Adalbert besprochen. Einige in der Fachliteratur präsentierte Urteile über die einzelnen Siegeltypen wurden analysiert und widerlegt. Vier Typen (I-IV) repräsentieren größere Siegel, die übrigen zwei Typen (V-VI) sind kleinere Siegel. Typ I und II wurden mehrmals in der Fachliteratur präsentiert. Typ III, den man nur erwähnte, wurde bisher falsch auf das 14 Jh. datiert. Der letztens entdeckte Typ IV datierte man falsch in die Wende des 15. zum 16. Jh. (die Amtsperiode des Erzbischofs von Gnesen, Kardinals Fryderyk Jagielloñczyk). In dem Beitrag wurden der in Gnesen überlieferte Siegeltypar des Typs IV sowie zwei früher nicht veröffentlichte Typen von kleineren Siegeln (V-VI) beschrieben und reproduziert. Größere Siegel stellen den sitzenden Heiligen (Typ I-IV) dar, kleinere Siegel zeigen ihn in der Stehhaltung (Typ V-VI).

Witold Brzeziñski
Die Heiratsverbindungen der Familie Bniñski aus dem Wappengeschlecht £odzia im Spätmittelalter
Der Artikel stellt einen Teil der breiter angelegten Forschungen des Verfassers zur Genealogie und Heiratspraxis des großpolnischen Hochadels während des Spätmittelalters dar. Die genaue Kenntnis der verwandtschaftlichen Verhältnisse innerhalb dieses Milieus ist besonders wichtig, da sie die korrekte Interpretation zahlreicher historischer Entwicklungen (wie z. B. den Ausbau des adeligen Großgrundbesitzes) ermöglicht. Die bisherige Literatur maß diesen Faktoren nicht die entsprechende Bedeutung bei, was noch im jüngst erschienenen Werk von Z. Gór-czak ersichtlich ist, das zahlreiche irreführende genealogische Informationen enthält. Im vorliegenden Aufsatz verifiziert der Verfasser die Angaben über die Eheverbindungen von Vertretern vierer Generationen der hochadeligen Familie Bniñski (aus dem Wappengeschlecht £odzia), die im 15. Jahrhundert lebten. Die Untersuchung der Herkunft ihrer Frauen zieht selbstverständlich die Notwendigkeit nach sich, die Genealogie weiterer großpolnischer Adelsfamilien (z. B. der Familie Ostroróg) ins Blickfeld zu nehmen.

Wiktor Szymborski
Ein Krakauer Zeugnis der Schulmeisterpromotion aus dem Jahre 1492
Der Autor bespricht das Zeugnis der Bakkalarpromotion von Hieronymus Schober aus Liegnitz aus dem Jahre 1492. Diese Urkunde, welche als verschollen galt, wird seit 1910 in der Sammlung der Pergamentdiplome im Krakauer Staatsarchiv (im ehemaligen Stadtarchivbestand) aufbewahrt. Seine früheren Schicksale sind leider unbekannt. Es ist das älteste bekannte Zeugnis einer Promotion an der Krakauer Universität.

Marek Daniel Kowalski
Kritische Bemerkungen zum neuesten, siebenten Band der “Bullarium Poloniae”
Der neueste siebente Band von Bullarium Poloniae (BP) enthält Materialien aus dem Pontifikat des Papstes Paul II. (1464-1471). Die von I. Su³kowska-Kuraœ und S. Kuraœ gesammelten Materialien wurden bearbeitet und in Druck gegeben von J. Smo³ucha und P. Stanko. Der Band enthält alle Fehler, die sich aus einer falschen Methode der Edition ergeben und in den früheren Bänden begangen wurden. Zu nenne wären vor allem: die Beschränkung auf die Publikation von Suppliken und Bullen, ohne andere Kategorien von päpstlichen Quellen zu berücksichtigen (vor allem Akten der Apostolischen Kammer), die Veröffentlichung der originellen Bullen auf dieselbe Art und Weise, wie ihre Kopien aus den Kanzleiregistern, das Fehlen irgendwelcher Formularelemente in den Dokumenten und eine inkorrekte Editionsform der Supplike. BP VII enthält zahlreiche Fehler, die der deutlich sichtbaren Inkompetenz neuer Herausgeber zuzuschreiben sind. Besonders auffallend ist die Überzahl von manchmal kompromittierenden Fehlern in Latein, die stellenweise den Text unverständlich machen. Viele Fehler beweisen auch die Unkenntnis der Kanzleiprozeduren und der Terminologie. Dokumente wurden inkonsequent ediert: als die von den Herausgebern verfassten Regesten, als Exzerpten (am häufigsten) oder als vollständige Texte. Elemente der Suppliken sind in BP VII häufig Teile von Bullen. Aufzeichnungen in BP VII enthalten zahlreiche Sachfehler: schlecht erfasstes Wesen des betreffenden Dokuments, Auslassungen von bedeutenden Informationen, falsche Informationen und Daten. Die Form der Edition sehr vieler Dokumente der Apostolischen Pönitentiarie lässt schließen, dass die Herausgeber sie nicht ausreichend kennen. Die Gesamtzahl der fehlerhaften Regesten erreicht in BP VII etwa 70%. Das Quellenmaterial wurde mit großer Inkonsequenz und Nachlässigkeit bearbeitet. Die in diesem Band publizierten Texte erinnern an Arbeitsnotizen, die man während der Archivrecherchen macht, um sie dann in Regesten umzuarbeiten. Das ist aber nicht zustande gekommen.